Das Wichtigste in Kürze:
Ein Abszess im Intimbereich ist eine abgekapselte Eiteransammlung, meist ausgelöst durch Bakterien nach kleinsten Hautverletzungen (z. B. Rasur). Typische Zeichen sind Rötungen, Schwellungen, Wärme, starke Druckschmerzen und manchmal ist eine weißliche Spitze sichtbar. Ein Abszess im Intimbereich kann von selbst nicht „wegmassiert“ werden. Die Behandlung braucht Zeit und Entlastung.
Wichtig: Nicht selbst aufstechen! Ärztlich abklären lassen, wenn die Schmerzen zunehmen, Fieber dazukommt oder der Knoten größer wird.
Was ist ein Abszess und warum entsteht er im Intimbereich?
Ein Abszess im Intimbereich ist ein neu gebildeter, mit Eiter gefüllter Hohlraum, den der Körper als Abwehrreaktion gegen Keime abkapselt. Auslöser sind oft Staphylokokken, die über Mini-Verletzungen (Rasur, Reibung, eingewachsenes Haar) ins Gewebe gelangen. Feuchte, warme Regionen mit Haarfollikeln und Talgdrüsen sind anfällig. Daher tritt ein Abszess im Intimbereich besonders häufig an Schamlippen, Leiste, Po-Falte oder rund um die Bartholin-Drüse auf.
So zeigt sich ein Abszess im Intimbereich
- Pralle, hoch schmerzhafte Schwellung
- Rötung, Erwärmung, Spannungsgefühl
- Teils sichtbare Eiterspitze oder bläuliche Verfärbung
- Schmerzen beim Sitzen, Gehen, Reiben an Kleidung.
Wichtig: Ein Abszess im Intimbereich ist nicht dasselbe wie ein Pickel. Die Kapsel verhindert, dass Eiter frei abfließen kann. Deshalb verschlimmern Drücken oder Stechen die Entzündung.
Abszess oder Furunkel?
Beides sind bakterielle Entzündungen rund um den Haarfollikel. Ein Furunkel ist kleiner und oft oberflächlicher als ein Abszess. Dieser hingegen ist meist tiefer, stärker abgekapselt und schmerzhafter. Treten mehrere Knoten wiederholt in Faltenbereichen wie Achseln, Leiste oder der Intimzone auf, kann Hidradenitis suppurativa (Akne inversa) dahinterstecken. Das solltest du ärztlich abklären lassen!
Häufige Auslöser im Alltag
Ein Abszess im Intimbereich entsteht typischerweise durch:
- Rasurverletzungen: eingewachsene Haare, Reibung durch enge Kleidung
- Feucht-warme Umgebung: Schweißstau, synthetische Stoffe
- Geschwächtes Immunsystem: Diabetes, Nikotin
- Bartholin-Drüsen-Entzündung: schmerzhafte Schwellung an der hinteren Schamlippe
Erste Hilfe zu Hause
Das kann kurzfristig entlasten
- Schonung & Reibung vermeiden: lockere Baumwolle, keine engen Nähte.
- Lauwarm feucht-warme Umschläge/Sitzbäder (z. B. mit klarem Wasser) fördern die Durchblutung und Reifung.
- Sanfte Hygiene: mit Wasser oder milder, pH-angepasster Intimreinigung; danach vorsichtig trockentupfen.
- Kühlen bei starkem Spannungsgefühl: Achte darauf, dass du ein Tuch zwischen Haut und Kühlpad legst.

Davon raten wir ab
- Kein Ausdrücken/Anstechen: Risiko der Keimverschleppung bis hin zur Blutvergiftung.
- Ätherische Öle, aggressive Hausmittel oder „Selbstexperimente“: Knoblauch, Essig etc., denn sie reizen und verschlimmern häufig.
- Trocknende Seifen und Desinfektionsspritzen erhöhen das Entzündungsrisiko.
Hinweis: Wärmeanwendungen & Sitzbäder können positiv unterstützen, ersetzen aber keine Diagnostik. Bei starken Schmerzen, größer werdender Schwellung oder Fieber solltest du dich unbedingt ärztlich behandeln lassen.
Medizinische Behandlung
Je nach Größe und Stadium stehen diese Optionen im Vordergrund:
Konservative Behandlung
- Zugsalbe (ärztlich empfohlen) kann die Reifung unterstützen, wenn der Abszess im Intimbereich noch klein oder oberflächlich ist.
- Antibiotika nur nach ärztlicher Beurteilung, z. B. bei Ausbreitung, Fieber oder Risikofaktoren.
Chirurgische Behandlung
- Die häufigste und effektivste Therapie beim Abszess im Intimbereich ist die sterile Eröffnung/Drainage in lokaler Betäubung. Dabei wird die Kapsel geöffnet, Eiter entlastet und die Wunde gespült. Anschließend heilt die Wunde offen unter regelmäßiger Wundpflege (Verbandswechsel, sauber halten).
Wundpflege danach
- 1–2 Mal täglich sanft spülen, trocken tupfen, steril abdecken.
- Reibung vermeiden, Baumwolle tragen, ggf. Sitzbäder (lauwarm).
- Ärztliche Kontrollen wahrnehmen, vor allem, wenn erneut Schwellungen oder Schmerzen auftreten.
Zu welchem Arzt geht man?
Wenn du vermutest, dass du einen Abszess im Intimbereich hast, gibt es je nach Situation mehrere Anlaufstellen: Für eine erste Einschätzung kannst du zur Hausärztin oder zum Hausarzt, bei Beschwerden an Schamlippen/Vulva zur Gynäkologin bzw. zum Gynäkologen, bei wiederkehrenden Knoten zur Dermatologie und bei Befunden nahe After/Po zur Proktologie oder Chirurgie.
Wichtig: Bei starken Schmerzen, Fieber oder rascher Größenzunahme bitte umgehend ärztlich abklären lassen.
Wann solltest du unbedingt zum Arzt?
- Starke Schmerzen, Fieber, Schüttelfrost
- Rasche Größenzunahme, pochender Schmerz, Rötung breitet sich aus
- Sichtbarer roter Strich von der Schwellung weg (Blutbahn-Reizung)
- Wiederkehrende Abszesse (mehrmals pro Jahr)
- Schwangerschaft oder Diabetes/Immunschwäche
- Abszess im Intimbereich nahe After/Vagina (höheres Komplikationsrisiko)

Prävention: So senkst du dein Risiko
- Rasur smart angehen: scharfe Klinge, Rasierschaum oder Ersatz mit guter Gleitfähigkeit, in Wuchsrichtung, danach kühlen & pflegen.
- Atmungsaktive Unterwäsche aus Baumwolle tragen und feuchte Sportkleidung zügig wechseln.
- Reibung reduzieren: gut sitzende, nicht scheuernde Kleidung.
- Stoffwechsel & Immunabwehr unterstützen: ausgewogene Ernährung, Bewegung, kein Nikotin.
- Frühe Wundpflege: kleinste Schnitte reinigen und trocken halten.
Bartholin-Drüsen-Abszess (nur bei Frauen)
Ein Abszess im Intimbereich kann auch von der sogenannten Bartholin-Drüse ausgehen, die sich im hinteren Bereich der Schamlippen befindet und für die Befeuchtung des Scheideneingangs zuständig ist. Wenn sich der Ausführungsgang dieser Drüse entzündet oder verstopft, kann sich eine schmerzhafte Schwellung bilden, die sich schnell zu einem Bartholin-Drüsenabszess entwickelt. Betroffene bemerken meist eine einseitige, stark druckempfindliche Schwellung, die das Sitzen und Gehen sehr unangenehm oder nahezu unmöglich macht. In den meisten Fällen ist eine ärztliche Behandlung notwendig, bei der die Drüse geöffnet wird, um den Eiter abfließen zu lassen. Oft erfolgt dies im Rahmen einer kleinen Operation, der sogenannten Marsupialisation, bei der ein dauerhafter Abfluss geschaffen wird, um erneute Entzündungen zu verhindern. Ein solcher Abszess sollte immer frühzeitig gynäkologisch untersucht und behandelt werden, um Komplikationen zu vermeiden.

FAQ – kurz & klar
Wie sieht ein Abszess im Intimbereich aus?
Schmerzhafte, gerötete Schwellung mit Wärme und Spannungsgefühl; oft ist eine Eiterspitze sichtbar.
Wie bekomme ich Furunkel im Intimbereich weg?
Nicht drücken. Wärme/Sitzbad, Reibung vermeiden, frühzeitig ärztlich abklären; ggf. Eröffnung und Wundpflege.
Kann man einen Abszess im Intimbereich der Frau anders behandeln?
Ja, vor allem bei der Bartholin-Drüse ist die Gynäkologie zuständig; das Vorgehen ist oft chirurgisch plus Wundmanagement.
Gibt es Hausmittel gegen Abszesse im Intimbereich?
Als Begleitung (Wärme, Sitzbäder, Schonung) okay – aber keine aggressiven Hausmittel/Öle. Bei Zunahme: Ärztin/Arzt aufsuchen.


















