Scheidentrockenheit und Intimhygiene

DR VIVIEN KARL Scheidentrockenheit Frau von der Seite

Scheidentrockenheit und Intimhygiene: Acht hilfreiche Tipps

Wenn es brennt, juckt und beim Sex schmerzt, ist Scheidentrockenheit vielleicht die Ursache. Trockenheit im Intimbereich ist unter Frauen in der Menopause sehr weit verbreitet. Mehrere Studien fanden heraus, dass zwischen 47 und 68 Prozent der Frauen während der Wechseljahre an Scheidentrockenheit leiden. 


Aber was passiert eigentlich genau bei Scheidentrockenheit und wodurch entsteht sie? Bei Scheidentrockenheit wird – wie der Name schon sagt – nicht genug Feuchtigkeit gebildet. Dadurch fühlt sich die Schleimhaut im Intimbereich trocken und gereizt an und Sitzen, Laufen und Geschlechtsverkehr können zur Herausforderung werden. 


Einer der häufigsten Ursachen für Scheidentrockenheit ist ein Mangel des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen. Durch den Mangel wird die Schleimhaut dünner, das nennt man auch „Atrophie“. Der sinkende Östrogenspiegel ist ein natürlicher Prozess während der Wechseljahre und passiert einfach. Eine andere Ursache für Trockenheit im Intimbereich lässt sich jedoch selbst bestimmen und vermeiden: eine falsche Intimhygiene. 

 

8 Tipps für die richtige Intimhygiene

Um das Thema Intimhygiene ranken sich viele Mythen und eine allgemeine Unsicherheit. Klar ist, eine gute Intimhygiene ist wichtig, um das Risiko von Infektionen und anderen Problemen im Intimbereich zu reduzieren. Es gibt jedoch einige Hygienepraktiken, die die Symptome von Scheidentrockenheit verschlimmern können. Wir haben einige Tipps für euch gesammelt, für die optimale Intimhygiene:

1. Vermeide unbedingt Duftstoffe: 

Vermeide parfümierte Seifen, Duschgele, Tampons und Binden, da diese Duftstoffe und andere Chemikalien enthalten können, die die Vaginalflora stören und zu Reizungen und Trockenheit führen können.

2. Verwende eine milde Seife:

Benutze ausschließlich eine milde, pH-neutrale Seife, um die äußeren Genitalien zu reinigen. Vermeide es jedoch, die Vagina selbst mit Seife zu waschen, da dies die empfindliche pH-Balance stören kann.

3. Verwende Wasser:

Reinige den Intimbereich täglich mit klarem Wasser, um Schmutz und Bakterien zu entfernen.

4. Vermeide zu enge Kleidung:

Trage locker sitzende Kleidung und Baumwollunterwäsche, um die Luftzirkulation zu fördern und die Feuchtigkeit im Intimbereich zu reduzieren.

5. Verzichte auf aggressive Reinigungsmittel:

Vermeide unbedingt die Verwendung von Reinigungsmitteln, die die Vaginalflora stören und reizen. Wenn du Waschlotionen oder ähnliches für deinen Intimbereich verwenden möchtest, achte auf den richtigen pH-Wert.

6. Pflege dich mit einer Intimcreme:

Ob nach dem Duschen oder als tägliches morgendliches Ritual. Eine auf den pH-Wert der Vulva abgestimmte Intimcreme kann deine Vulva zusätzlich mit Feuchtigkeit versorgen. Wenn wir unter einer trockenen Gesichtshaut leiden, versorgen wir diese auch mit einer Creme.

7. Greif zu einem Gleitmittel:

Bei Schmerzen während des Sex oder bei der Masturbation kann der Griff zum Gleitmittel helfen. Achte hier auf eine milde Formulierung.

8. Weniger ist mehr, verzichte auf eine übermäßige Reinigung:

Vermeide übermäßiges Waschen oder Reinigen des Intimbereichs, da dies die natürlichen Schutzmechanismen stört und zu Trockenheit führen kann. Ein Mal am Tag reicht aus!

 

Es ist wichtig, eine gesunde Intimhygiene beizubehalten, um das Risiko von Infektionen und anderen Problemen im Intimbereich zu minimieren. Das Credo dabei ist immer, tue das, was dir gut tut und höre auf deinen Körper. Frauen, die unter Vaginaltrockenheit leiden, sollten jedoch besonders darauf achten, Hygienemaßnahmen zu ergreifen, um weitere Beschwerden zu vermeiden. Wenn die Symptome anhalten, sollten Frauen ihren Arzt oder Ärztin aufsuchen, um die Ursache zu ermitteln und weitere Schritte zur Behandlung zu unternehmen.

 

Intimhygiene im Laufe der Jahrhunderte

Wusstest du, dass Intimhygiene keine Erfindung der Neuzeit ist? Die Geschichte der Intimpflege reicht weit zurück, bis in die Antike. Damals wurden bereits verschiedene Methoden zur Reinigung und Pflege der intimen Bereiche praktiziert. So verwendeten zum Beispiel die Ägypter eine Mischung aus Milch und Honig, um ihre Genitalien zu reinigen. Die Römer hingegen nutzten Wasser und Olivenöl und waren die ersten, die öffentliche Badehäuser als Orte der Reinigung und Entspannung eröffneten.

Im Mittelalter war die Hygiene im Allgemeinen schlecht und Intimpflege wurde stark vernachlässigt. So war es auch nicht ungewöhnlich, dass Menschen wochenlang ohne eine Reinigung auskamen. Heute unvorstellbar! Dies führte u.a. zu gesundheitlichen Problemen im Intimbereich. Es hat bis zum 18. Jahrhundert gedauert, bis die persönliche Hygiene einen höheren Stellenwert bei den Menschen bekam und Seifen für die breite Masse wurden.

Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts wurden deutlich mehr Produkte entwickelt, um die Intimpflege und somit die Intimhygiene zu verbessern. Dazu zählen die Einführung von Toilettenpapier, die Entwicklung von speziellen Waschmitteln für den Intimbereich, sowie die Erfindung von Damenbinden und Tampons.

Heutzutage ist die Auswahl an Intimpflegeprodukte schier unendlich. Frauen haben alleine beim Thema Menstruation die Qual der Wahl, ob sie sich für Binden, Tampons, Periodenunterwäsche, Soft Tampons, Menstruationstassen oder oder entscheiden. Intimpflege ist nicht nur wichtig für die richtige Intimhygiene. Auch das frühzeitige aufklären, der offene Umgang mit vermeintlich tabuisierten Themen und eine gewisse Achtsamkeit mit dem eigenen Körper führen zu einem gesellschaftlichen Umdenken.

 

Unser Fazit für die gelungene Intimhygiene

Insgesamt ist eine gute Intimpflege unverzichtbar, um den Intimbereich gesund zu halten und Scheidentrockenheit vorzubeugen. Doch dabei gilt: Weniger ist mehr. Denn durch zu häufiges Waschen oder die falschen Produkte kann die empfindliche Intimhaut zusätzlich gereizt werden. Das wiederum kann zu Scheidentrockenheit führen und Schmerzen, Brennen oder Jucken verursachen.

Die richtige Intimpflege hilft außerdem, das allgemeine Wohlbefinden zu stärken. Denn sie dämmt unangenehme Infektionen und Gerüche ein und verleiht ein Gefühl von Frische. Wer an Scheidentrockenheit leidet und selbst keine Lösung findet, sollte bei Beschwerden auf jeden Fall einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.

 

Quellen:

1. https://www.liebertpub.com/doi/full/10.1089/jwh.2010.2394
2. https://www.dovepress.com/vulvovaginal-atrophy-in-menopause-a-review-of-the-literature-peer-reviewed-article-IJWH
3. https://journals.lww.com/menopausejournal/Citation/2013/02000/The_North_American_Menopause_Society_Menopause

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